Borkum – West Terschelling: erste Nachtfahrt 

05.05.2022

Die Gezeiten zwingen uns um 2 Uhr Nachts abzulegen, damit wir so lange wie möglich mit der Strömung Richtung Westen fahren können. Bei der schmalen Ausfahrt zwischen den Wattuntiefen wird uns schon etwas mulmig. Draußen auf See fahren wir quer zur Welle, was bedeutet, dass wir permanent von rechts nach links rollen. Der Kartentischen leert sich nach und nach auf den Boden und wir bekommen die Rechnung für alles nicht verstaute Gelumpe, das nun durch die Gegend fliegt. Sehr unschönes Gefühl. Unsere Mini murmelt tief und fest und bekommt davon erstmal nichts mit. Mit einsetzender Dämmerung kurz nach 5 Uhr setzen wir die Segel, was das Boot etwas stabilisiert. Um 6 Uhr wacht das jüngste Crewmitglied auf, etwas erschöpft, weil es eigentlich nicht ihre Zeit ist, aber bei der Bootsbewegung kann sie nicht mehr einschlafen. Der kalte Schweiß auf ihrer Stirn kündigt es an und dann überkommt sie die Übelkeit. Auch die frische Luft hilft nicht und sie entleert sich weiter. Bei dem Geschaukel aufzuwachen, mit leerem Magen nachdem dieser zuvor schon 4 Stunden lang ordentlich durchgeschüttelt wurde, würde wohl fast jeden umhauen. 1 Einheit Vomex hilft und sie schläft erstmal wieder ein. 4 Stunden später ist sie munter und kann endlich auch etwas essen. Es schaukelt immer noch, weniger zwar aber immer noch extrem unangenehm. Wir haben noch etwa 5 Stunden vor uns, 3 bis wir eindrehen und es ruhiger wird.

Es wird nochmal richtig spannend, da wir nun gegen das auslaufende Wasser in den Hafen einfahren. 2 Stunden dauert das ganze immer mit konzentriertem Blick auf den Tiefenmesser. Schon 1 Meter neben der Betonnung kann es einen hier erwischen, dass man hängen bleibt. Horrorstories dazu haben wir zur Genüge gehört. Als uns in der schmalen Fahrrinne eine große Fähre entgegen prescht beten wir, dass wir im entstehenden Wellental nicht aufsetzen. Warum hier mit so hoher Geschwindigkeit gefahren werden darf ist unklar, erklärt wohl aber, dass es ständig zu Versandungen und Verschiebungen der Fahrrinne kommt. Zwischenzeitlich haben wir nur ein paar cm Wasser unter dem Kiel. 17 Uhr haben wir es geschafft. Ein malerischer Hafen liegt vor uns, in dem viele klassische holländische Plattboote liegen. Weiter hinten die morderen Yachten. An den Längsstegen liegen die Schiffe schon im Päckchen, also aneinander festgemacht, so viel ist hier los. Aber trotzdem alles sehr entspannt und freundlich.