Long Island & George Town

09.04.2023
Calabash Bay ist die perfekte Bucht, um richtig anzukommen auf den Bahamas: klares Wasser, das auch bei 6 Meter Wassertiefe den Boden gestochen scharf erkennen lässt. Und Farben … diese unglaublichen Farben von hellblau über türkis ins beige, einfach fantastisch.
Da in unserer Bucht nicht viel ist, fahren wir mit dem Dinghy eine halbe Stunde gen Süden in eine lagunige Bucht, an deren Ende sich eine kleines Dorf mit Tankstelle befindet. Wir brauchen Treibstoff für die kleine Mahea. Entlang des Riffs finden wir den Eingang zwischen den Korallenbänken und folgen nun den Farben: 2 blaue, tiefere Kanäle schlägeln sich durch das sonst helltürkise, fast weiße, etwa 10 cm tiefe Wasser. Das Becken ist extrem weitläufig, sodass sich bei den vorherrschenden Winden eine fiese Welle aufbaut und wir immer wieder ordentlich aufs Wasser klatschen und schließlich komplett gebadet am Dorf ankommen. Na ja, Dorf ist etwas übertrieben: ein paar Häuser ziehen sich entlang der einzigen Straße, die von Nord nach Süd führt. Nach 15 minütigem Marsch finden wir die Tankstelle und können sicherstellen, das wir nicht nach Hause rudern müssen. Es gibt nicht viel zu sehen, alles wirkt eher trostlos hier. Also machen wir uns recht schnell wieder auf den Heimweg. Alex will diesmal eine Abkürzung abseits des Kanals, querfeldein nehmen. So tief liegt unser Dinghy ja nicht im Wasser, da müssen wir sicher nicht den Kanal entlang schlängeln. Oder eben eigentlich doch: nach 10 Minuten, mitten im Gemüse ist das Wasser zu flach für den Motor. Na ja, dann muss halt der mit der genialen Abkürzungsidee rudern. Damit das nicht zu lange geht, trifft der Ruderer die Entscheidung es mit einer weiteren Abkürzung zu probieren: diesmal durch eine Korallenbank. Es dauert nicht lange, bis wir eine starke Strömung durch die schmale tiefere Stelle der Bank bemerken. Und schon hat uns der Strom eingesogen. Mit ach und krach können wir uns mit den Paddeln entlang der scharfen Korallen schlängeln. Hätten wir keinen Aluboden, sondern den aufblasbaren genommen, wäre hier die Reise zu Ende gewesen. So haben wir aber Glück, dass der Schlauch nicht beschädigt ist und die Fahrt weitergehen kann. Einen dummen Spruch kann ich mir trotzdem nicht verkneifen.
Am nächsten Tag geht es zum Kolumbus Denkmal, das auch an die Ureinwohner, die Lucayans, erinnert. Einmal mehr staunen wir über die atemberaubenden Farben und die paradiesische Aussicht.


So langsam sind wir dann bereit für die nächste Inselgruppe, die berühmten Exumas mit ihren 365 Inseln, eine für jeden Tag. Wir steuern zunächst George Town im Süden an. Im Kanal zwischen der Hauptinsel Great Exuma und der vorgelagerten Stocking Island kann man sehr ruhig liegen. Nach einem interessanten, nervenaufreibenden Marinabesuch, um Wasser aufzufüllen (Marinas sind hier einfache Holzstege, die für Mahea eigentlich viel zu hoch sind, weshalb wir zwischen den Pfählen hängen und versuchen, dass die Querbalken nicht in die Seite rammen) und einem kleinen, sehr teuren Einkauf (von der Sorte egal was man in den Wagen legt, es kostet garantiert 10$), schmeißen wir den Anker am Monument Beach vor Stocking Island. Wir bleiben ein paar Tage hier, gehen ausgiebig wandern mit unseren Freunden von der Kiah, genießen ein Barbecue am Chat'n'Chill Strand, der am Besten vom Wasser erreichbar ist und somit Treffpunkt für alle möglichen Bootsleute ist.

3 Stunden später als geplant setzen wir unsere Reise Richtung Norden weiter fort. Alex wollte morgens noch schnell fossilen Brennstoff fürs Dinghy besorgen, bevor wir zu den entlegeneren Inseln kommen. Hier bezahlt man zunächst bevor man tankt. Blöd, wenn just in der Sekunde, nach dem die Zahlung durch ist, der Strom ausfällt. Zunächst ist die Rede von einem geplanten Abschalten auf Grund des folgenden, starken Regens. 1 Stunde nach dem Regen lässt sich diese Aussage nur schlecht aufrecht halten. Währenddessen warte ich auf dem Boot und versuche mir ein Szenario auszumalen, in dem Alex so lange braucht und sich nicht meldet: große Fragezeichen bilden sich über meinem Kopf. Handy geht nicht. Ich denke, er könnte doch mal schnell in eine Bar gehen und sich ins Wlan einwählen und Bescheid sagen. Mittlerweile sind 2 Stunden vergangen und ich überlege schon, ob Alex vielleicht "schnell Zigaretten holen" gegangen ist, um nie wiederzukommen. Irgendwann meldet er sich dann über Funk auf Kanal 9, den wir fast immer offen haben, da wir so auch mit unseren Freunden kommunizieren. Stromausfall auf der ganzen Insel, könnte noch dauern. Alles klar, bin im Bilde, weiter warten also.

Irgendwann setzen wir dann die Segel um zum 15 Seemeilen entfernten White Cay zu gelangen. Wir müssen den Schutz der Bank verlassen und raus auf die offene See, die heute kurze, schwabbelige Wellen für uns bereit hält. Das Geschunkel stellt die Mägen auf die Probe, aber 3 Stunden später ist der Spuk schon vorbei.

Entlang der Inselketten gibt es die dem offenen Ozean zugewandte Seite, die meist eine schroffere Küstenlinie zeichnet. Man nennt sie "Sound". Dort ist das Wasser tief und die Welle kommt relativ ungebrochen "von draußen". Die andere Seite der Insel / des Lands nennt man Bank. Wenn der Wind nicht gerade aus dieser Richtung kommt, geht es hier vergleichsweise ruhig zu und es bauen sich keine großen Wellen mehr auf. Manchmal sind die Banks aber zu flach mit unserem Tiefgang und so müssen wir von Spot zu Spot raus auf die "raue See".
Am Strand soll es Schweine geben und wir wollen abseits der berühmten Schweine von Staniel Cay mal schauen, wie Mini darauf reagiert. In dem Moment, wo Alex das Dinghy an Land hievt, kommen 2 Touri Boote angeschossen, die von den Schweinen offensichtlich erkannt werden. Denn aus dem Nichts schießen sie plötzlich auf das Dinghy zu und Mini geht in volle Deckung. Die Größe der Schweine ist beachtlich und fällt in die Kategorie kleine Kuh (gefühlt zumindest). Abbruch !! Rückzug !!